Kurz zusammengefasst
ERP-System, Warenwirtschaft und Onlineshop gemeinsam zu digitalisieren klingt einleuchtend – die eigentliche Herausforderung ist die Reihenfolge. Dieser Artikel hilft bei der Entscheidung, womit Sie je nach Ausgangslage konkret starten sollten. Warum die drei Bereiche inhaltlich zusammenhängen, behandeln wir in „Synergien nutzen im technischen B2B-Handel“; warum Datenqualität dabei oft der entscheidende Faktor ist, in „Warum B2B-E-Commerce scheitert“.
Seit 2004 begleiten wir Unternehmen aus dem technischen B2B-Handel bei der Digitalisierung. Eine Frage taucht dabei fast immer zuerst auf, noch vor jeder Diskussion über konkrete Software: In welcher Reihenfolge gehen wir das an? ERP-System zuerst modernisieren? Erst den Onlineshop bauen und die Datenanbindung später nachziehen? Oder alles gleichzeitig?
Ein ERP-System (Enterprise Resource Planning) verbindet die wichtigsten Geschäftsprozesse eines Unternehmens in einer zentralen Softwarelösung – von Einkauf über Vertrieb bis Buchhaltung. Ein Warenwirtschaftssystem ergänzt das ERP, indem es speziell die Verwaltung von Beständen, Lagerbewegungen und Lieferprozessen abbildet. Im technischen B2B-Handel ist Letzteres besonders wichtig, da Verfügbarkeiten und Lieferzeiten oft über den Zuschlag eines Auftrags entscheiden. Beide Systeme bilden gemeinsam die Datenbasis, auf der ein Onlineshop wie DIASales aufsetzt.
Viele Digitalisierungsprojekte im technischen Handel verzögern sich nicht, weil die falsche Software gewählt wurde, sondern weil die Reihenfolge nicht durchdacht war. Ein verbreitetes Muster: Der Onlineshop wird gebaut, bevor die dahinterliegenden Produktdaten dafür bereit sind. Eine Studie von wlw (Wer liefert was) zeigt, wie häufig das vorkommt: 43 % der befragten Unternehmen gaben an, dass ihre vorliegenden Produktdaten nicht für einen Onlineshop geeignet waren – Daten mussten nachträglich manuell aufbereitet werden, was den eigentlichen Shop-Launch erheblich verzögert.
Empfehlung: Datenqualität vor Shop-Launch prüfen und bereinigen. Bevor der Shop überhaupt gebaut wird, lohnt sich eine ehrliche Bestandsaufnahme der vorhandenen Produktdaten: Sind Artikelbezeichnungen konsistent? Gibt es Dubletten? Fehlen wichtige Attribute für die Kategorisierung? Wie oft dieser Aufwand unterschätzt wird, zeigt eine Studie von ibi research, zitiert vom Beratungsunternehmen b2btalks: 55 % der befragten B2B-Unternehmen hatten den Aufwand für die Aufbereitung ihrer Produktdaten für ein E-Commerce-Projekt unterschätzt – obwohl in derselben Studie 58 % der Kunden ausführliche, umfangreiche Produktdaten erwarten. Häufig zeigt sich an dieser Stelle, dass ein reines ERP-System für die strukturierte Produktdatenpflege nicht ausreicht – wann sich stattdessen ein PIM-System lohnt, behandeln wir in „Warum Händler ein PIM-System benötigen“. Ein Shop, der auf lückenhaften Daten aufsetzt, produziert von Anfang an dieselben Probleme, die wir in „Warum Ihre Kunden Produkte nicht finden“ beschrieben haben – nur dass sie dann erst nach dem Launch auffallen, wenn die Korrektur deutlich aufwendiger ist.
Empfehlung: Datenintegration vor neuen Features. Wenn Bestände nicht stimmen, Preise verzögert ankommen oder Produktinformationen zwischen ERP und Shop auseinanderlaufen, bringt jede neue Shop-Funktion (Wiederbestellung, individuelle Preise, Punchout) zunächst mehr Fehlerquellen als Nutzen. Wie viel davon abhängt, zeigt eine Einschätzung des ERP-Anbieters GWS: Gerade im B2B-Handel sind aktuelle Bestände und Lieferzeiten kaufentscheidend – ohne verlässliche Verfügbarkeitsinformationen brechen laut GWS bis zu 70 % der Kunden ihren Kauf ab. Hier lohnt es sich, zuerst die Datenanbindung zwischen den Systemen zu stabilisieren, bevor der Funktionsumfang erweitert wird – etwa durch automatisierte EDI-Erfassung, die wir in „Prozessoptimierung im technischen Handel: Zeitersparnis durch automatische EDI-Erfassung“ im Detail beschrieben haben.
Empfehlung: Pragmatisch parallel, nicht sequenziell perfektionistisch. Der verbreitetste Fehler bei Neustart-Projekten ist der Versuch, zunächst alle Daten vollständig zu pflegen, bevor überhaupt etwas live geht. Die Datenberatung Alexander Thamm formuliert dazu ein zentrales Praxisprinzip erfolgreicher Stammdatenprojekte (keine empirische Studie, sondern eine Beratungsempfehlung aus der Projekterfahrung): Organisationen sollten mit der Daten-Domäne beginnen, die den größten geschäftlichen Nutzen bringt – meist Kunden- oder Produktdaten – und den Einsatz anschließend schrittweise ausweiten, statt zu versuchen, alles sofort in voller Breite einzuführen. Übertragen auf den Onlineshop-Start bedeutet das: mit den kaufkritischen Kernattributen (Artikelbezeichnung, Preis, Verfügbarkeit, technische Kernspezifikationen) für die wichtigsten Produktgruppen beginnen und schrittweise erweitern, statt auf hundertprozentige Vollständigkeit zu warten, bevor der erste Kunde bestellen kann.
| Ausgangslage | Größtes Risiko bei falscher Reihenfolge | Empfohlener erster Schritt |
|---|---|---|
| ERP vorhanden, kein Shop | Shop startet mit unbrauchbaren Produktdaten | Datenqualität prüfen und bereinigen |
| Shop vorhanden, Daten inkonsistent | Neue Features vervielfachen bestehende Fehler | Datenintegration stabilisieren |
| Kompletter Neustart | Perfektionismus verzögert den Marktstart | Mit kaufkritischen Kernattributen live gehen, dann erweitern |
Die richtige Reihenfolge zu wählen bedeutet nicht, die Bereiche isoliert zu betrachten. ERP-System, Warenwirtschaft und Onlineshop sollten von Anfang an als zusammenhängendes System geplant werden – auch wenn die Umsetzung in Etappen erfolgt. Wie genau E-Procurement, Auftragsbearbeitung und Prozessmodellierung ineinandergreifen, haben wir in „Synergien nutzen im technischen B2B-Handel“ vertiefend beschrieben. Einen vollständigen Überblick über alle Anforderungen an einen B2B-Onlineshop im technischen Handel gibt außerdem unser Leitfaden.
Die Frage „Womit fangen wir an?“ ist keine Nebensächlichkeit, sondern entscheidet oft über Erfolg oder monatelange Verzögerung eines Digitalisierungsprojekts. Wie groß das Risiko ist, zeigen mehrere unabhängige Quellen: 55 % der B2B-Unternehmen unterschätzen laut ibi research den Aufwand für die Produktdatenaufbereitung, und ohne verlässliche Bestandsdaten brechen laut GWS bis zu 70 % der B2B-Kunden ihren Kauf ab. Je nach Ausgangslage – bestehendes ERP ohne Shop, bestehender Shop mit Datenproblemen, oder kompletter Neustart – ergeben sich unterschiedliche sinnvolle erste Schritte. Entscheidend ist in allen drei Fällen: Datenqualität vor Funktionsumfang, und ein pragmatischer, schrittweiser Start – ein Prinzip, das auch die Datenberatung Alexander Thamm aus ihrer Projekterfahrung für Stammdatenprojekte empfiehlt.
Sollte ich zuerst mein ERP-System modernisieren oder zuerst einen Onlineshop bauen?
Das hängt von der Ausgangslage ab: Ist bereits ein ERP- oder Warenwirtschaftssystem vorhanden, sollte vor dem Shop-Launch die Datenqualität geprüft werden. Fehlt beides, empfiehlt sich ein pragmatischer, paralleler Start mit den wichtigsten Kernattributen statt eines sequenziellen „erst das eine, dann das andere“.
Wie häufig scheitern Shop-Projekte an unzureichenden Produktdaten?
Laut einer Studie von wlw (Wer liefert was) gaben 43 % der befragten Unternehmen an, dass ihre vorliegenden Produktdaten nicht für einen Onlineshop geeignet waren. Eine Studie von ibi research (zitiert vom Beratungsunternehmen b2btalks) zeigt zusätzlich: 55 % der B2B-Unternehmen unterschätzen den Aufwand für die Produktdatenaufbereitung, obwohl 58 % der Kunden ausführliche Produktdaten erwarten.
Wie wichtig sind korrekte Bestandsdaten für die Kaufentscheidung im B2B-Shop?
Sehr wichtig – laut einer Einschätzung des ERP-Anbieters GWS brechen ohne verlässliche Verfügbarkeitsinformationen bis zu 70 % der B2B-Kunden ihren Kauf ab, da aktuelle Bestände und Lieferzeiten hier besonders kaufentscheidend sind.
Sollte ich alle Produktdaten vollständig pflegen, bevor ich starte?
Nein – die Datenberatung Alexander Thamm empfiehlt aus ihrer Projekterfahrung, mit der Daten-Domäne mit dem größten geschäftlichen Nutzen zu beginnen und den Einsatz danach schrittweise auszuweiten, statt von Anfang an alles in voller Breite abzudecken.
Was bedeutet „mit kaufkritischen Attributen starten“?
Damit ist gemeint, zunächst nur die für eine Kaufentscheidung wirklich notwendigen Produktinformationen (Bezeichnung, Preis, Verfügbarkeit, Kernspezifikationen) vollständig zu pflegen, statt den Start zu verzögern, bis alle Daten für das gesamte Sortiment perfekt sind.
Muss ich am Ende trotzdem alle Bereiche integrieren, auch wenn ich sequenziell starte?
Ja – die Reihenfolge betrifft nur den Startpunkt, nicht das Ziel. ERP, Warenwirtschaft und Onlineshop sollten langfristig als ein zusammenhängendes System geplant werden, auch wenn die Umsetzung in Etappen erfolgt.
Gerne ordnen wir gemeinsam ein, welcher erste Schritt für Ihr Unternehmen sinnvoll ist – basierend auf über 20 Jahren Erfahrung im technischen B2B-Handel.